Gottfried Jäger. Generative Systeme.


Fotografische Bilder und Texte

Andreas Beaugrand

„Wir sind gezwungen, aus dem Universum der Prozesse ins Universum der Partikel zu springen. Dort unten nämlich, im innersten Kern der Prozesse, wollen gegenwärtig die Punkte nicht länger der Kausalkette gehorchen – sie beginnen zu schwirren.“
Vilèm Flusser (1)

Gottfried Jäger gehört mit Kilian Breier, Pierre Cordier, Hein Gravenhorst, Manfred P. Kage, Rolf H. Krauss, Floris M. Neusüss, Albrecht Zipfel, René Mächler, Karl Martin Holzhäuser und anderen mehr zur Gründergeneration Generativer Fotografen, die exakt, analytisch, konstruktivistisch und unter mathematischen Voraussetzungen arbeiten und dadurch kreative, freie und künstlerische Ergebnisse erzielen. Die Grundlagen und Voraussetzungen der Generativen Fotografie sind strukturelle Vorgaben, vorab festgelegte Zahlen und Zeiträume; methodische Systeme, aus denen Bilder entstehen, die der Sinneswahrnehmung keine sichere Erkenntnis mehr vermitteln können, da sie vielfach täuschen und bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Wahrnehmungen ermöglichen. Der reale Gegen-stand ist aus den Arbeiten verschwunden. Gegenstand ist das „Bild an sich“, die Bildstruktur selbst, erzeugt durch bildimmanente Regeln und Grammatiken.
Gottfried Jäger, Jahrgang 1937: Motor, Initiator, Organisator, Kommunikator, künstlerischer Fotograf und aktuell auch Theoretiker der Generativen Fotografie, war seit 1962 zunächst als technischer Lehrer für Fotografie an der Bielefelder Werkkunstschule, von 1971 bis 2002 als Professor für Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld tätig, hat mit Unterstützung seiner Fotografiekollegen Prof. Jörg Boström, Prof. Jürgen Heinemann und Prof. Karl Martin Holzhäuser Generationen von Studierenden der Fotografie geprägt und darüber hinaus als Hochschullehrer, Fotograf und Künstler das Arbeits- und Forschungsgebiet der Generativen Fotografie in der aktuellen Fotografie- und Kunstszene etabliert. In den Arbeitsbereichen angewandte Fotografie, experimentelle Fotografie, Generative Fotografie, Kamerafotografien, Multimedia-Projekte, Fotomaterialarbeiten, Re-Produktive und digitale Arbeiten erforscht Jäger seit fast 50 Jahren in Theorie und Praxis die Frage nach dem Wesen des fotografischen, nichtapparativen Bildes, und damit beginnend in einer Zeit, in der auf allen Ebenen in der noch vergleichsweise jungen Bundesrepublik Deutschland um historische Wahrheit, politische Korrektheit, kulturelle Werte, ehrliche Antworten auf plausible Fragen und gesellschaftliches Miteinander der Generationen gerungen wurde – nicht ohne Grund spricht man von der „Pubertät der Republik“. Der Protest und die Kritik am „Schmutz von 100o Jahren unter den Talaren“ richtete sich nicht nur gegen das belastete Establishment, sondern auch gegen tradierte Formen innerhalb der Kunst- und Kulturgeschichte: Happening und Fluxus, die Pop Art auf der einen, die Konkrete Poesie auf der anderen Seite waren unter Anderem die Folgen: Die Konkrete Poesie – als Begriff bereits 1953 von Eugen Gomringer popularisiert – bezeichnet in der Dichtung eine bestimmte Herangehensweise an die Sprache, die dabei vordergründig nicht mehr der Beschreibung eines Sachverhalts, eines Gedankens oder einer Stimmung dient, sondern selbst zum Zweck des Gedichts wird. Die Konkrete Poesie verwendet die phonetischen, visuellen und akustischen Dimensionen der Sprache als literarisches Mittel und bezieht sich nur noch auf ihre eigenen Mittel: Wörter, Buchstaben oder Satzzeichen werden aus dem Zusammenhang der Sprache herausgelöst und treten dem Betrachter „konkret“, d. h. „für sich selbst stehend“ gegenüber. Diese sprachliche Demonstration war bereits seinerzeit ein Gegenpol zur sprachlichen Reizüberflutung: Sprache sollte keine Verweisfunktion mehr haben. Die Methode der Konkreten Poesie wurde zu einer antipoetischen Meditation über die Bedingung der Möglichkeit der poetischen Sprechweise, indem kein „Gedicht über“, sondern nur noch eine Realität „an sich“ akzeptiert wurde: Wörter waren nicht mehr Bedeutungsträger, sondern wurden – und werden bis heute (7) – als visuelle und phonetische Gestaltungselemente eingesetzt. (8)

Die Parallelen zur Generativen (bzw. Konkreten) Fotografie sind verblüffend, und tatsächlich: Anfang der 1960er Jahre arbeiteten nahezu zeitgleich ein (späterer) Konkreter Poet und ein (späterer) Generativer Fotograf an vergleichbaren Themen: Helmut Heißenbüttel (1921-1996) verfasst seinen „Roman" (1961), eine kurze „Geschichte“ aus 21 fragmentarischen Spuren(9), zu der Gottfried Jäger eine „Lichtgrafik“ (1963) erarbeitet, die heute zur Werkgruppe „Thema und Variationen (2)“ in der Rubrik „Experimentelle Arbeiten“ gezählt wird und den Titel „Über einen Emaillesprung“ trägt: Ihr Ausgangsmotiv ist die Kamerafotografie eines Sprungs in einer Emaillewaschschüssel im Gebäude der Bielefelder Werkkunstschule am Sparrenberg, aus der Gottfried Jäger – seinerzeit noch technischer Lehrer für Fotografie! – insgesamt 193 Lichtgraphiken, davon 180 Schwarzweißblätter auf Silbergelantine-Barytpapier in Formaten bis 86 x 57 cm sowie farbige Blätter auf Color-Fotopapier geschaffen hat;(10) die Grundidee Generativer Methodik war geboren. Aber es dauerte lange, viele, viele Jahre, bis die Prinzipien dieser analytischen Bild(er)findungsstrategien die ihr gebührende Beachtung fanden. Das mag zum einen an dem von Hans-Ulrich Wehler diagnostizierten „Sonderweg“ der deutschen Sozialgeschichte, dem von der Weimarer Republik bis in die Zeit der „jungen“ Bundesrepublik Deutschland reichenden eigentümlichen Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne liegen,(11) kann aber auch – relativ bodenständig – darauf zurückzuführen sein, dass sich der „Organisator und Kommunikator“ der Generativen Fotografie (siehe oben: Gottfried Jäger) auf seine Familie und seinen Beruf konzentrieren musste: Frau, Freundin und Wegbegleiterin Ursel und die gemeinsamen Kinder Gabriele (*1958) und Markus (*1963) forderten mit Recht Aufmerksamkeit, Lehre und Forschung als Professor an der Fachhochschule Bielefeld forderten Konzentration und Zeitaufwand. Zwanzig Jahre nach der ersten Ausstellung Generativer Fotografie in Bielefeld 1968 begannen die konsequenten fotoexperimentellen Arbeiten wissenschaftstheoretische Früchte zu tragen: (12) Eine themenbezogene Ausstellung folgt auf die nächste, eine Tagung gab der anderen das Wort, das Bielefelder Symposium für Fotografie und Medien trug kontinuierlich ein Übriges dazu bei, und mit einem Mal ist Fotografie – gleichgültig, ob experimentell, dokumentarisch, inszenierend oder eindeutig „künstlerisch“ – überall in aller Munde, in jeder Galerie und jedem Museum: Fotografie als Kunst ist etabliert und hoch dotiert. Fast scheint es, als könne Gottfried Jäger nach gut 40 Jahren die Früchte kontinuierlicher fotoexperimenteller Arbeit ernten: In den letzten Jahren, konkret vielleicht seit Beginn des 21. Jahrhunderts, erschienen in vergleichsweise kurzer Zeit und in kurzem Zeitabstand zahlreiche Publikationen, die sich den Fragen des Visuellen in der westlichen Kultur, der Bilderzeugung und Bilderfindung und der Bedeutung von Bildlichkeit in Geschichte und Gegenwart widmen.(13) Auch in der geisteswissenschaftlichen Forschung gewinnt die Frage nach Bildern zunehmend an Bedeutung; selbst der sonst eher traditionell ausgerichtete Historikertag 2006 stand unter dem Motto „GeschichtsBilder“, mit dem der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHHD) sein Fach „als eine moderne, theorie- und methodenorientierte Geistes- und Kulturwissenschaft.(14) In diese Debatte reiht sich auch die Diskussion über das Phänomen der Generativen Fotografie während der letzten gut 40 Jahre, in der es in modifizierter Weise um die Frage geht, welcher gesellschaftliche, kulturelle, künstlerische und schließlich fotografische Wert ihr beizumessen sei. Und mehr noch: Die über denselben Zeitraum geführten Diskussionen über die tatsächliche Bedeutung dieser fotografischen Kunstrichtung – oder künstlerischen Fotografierichtung? – bestätigen die von Carsten-Peter Warncke bereits 2005 provokant formulierte These, dass „die europäische Kulturgeschichte seit der klassischen Antike eine Geschichte der systematischen Unterdrückung des Bildes(15) sei. Er betont damit, wie tief verwurzelt eine bildskeptische Haltung gerade auch in der Bildungselite war und ist. Darin kann man zugleich einen kritischen Hinweis auf eine Bildforschung sehen, die im Bild letztlich doch nur den Widerschein von Texten und Zeichen erkennen mag und mediale, materielle und bildimmanente Aspekte eher ausblendet bzw. Bildern in ihren Kontexten – vielleicht unbeabsichtigt – kaum ein wirkliches Eigengewicht beimisst. Dagegen hat sich Gottfried Jäger zeit seines beruflichen wie künstlerischen Lebens zur Wehr gesetzt.(16) Immer wieder neu und in sich verändernden Kontexten – sei es auf künstlerischer oder wissenschaftlicher Ebene – hat er über die Problematik des vermutlich 1916 von Alvin Coburn geprägten Begriffs der Abstrakten Fotografie(17) und seiner Relevanz für die Generative bzw. aktuell Konkrete Fotografie nachgedacht und seine Bedeutung etymologisch, konzeptionell und inhaltlich erörtert. Danach bezeichnet der Begriff „Fotografie“ die Verfahren, die mit Hilfe optischer Systeme und der Wirkung von elektromagnetischen Strahlen wie beispielsweise Licht auf chemisch reagierende Materialien dauerhafte Bilder herstellen. Der Begriff „abstrakt“ bedeutet, dass etwas unabhängig, losgelöst und ohne Bezug zu sichtbaren, konkreten Gegenständen ist. Der Philosoph Lambert Wiesing nennt eine Vielzahl von denkbaren Abstraktionen und stellt mit Recht fest, dass in den Techniken der kameralosen Fotografie eine „immanente Hierarchie“ eingeschrieben ist, die von der Abstraktion des Objektivs über die ganze Kamera, das Negativ, den Lichtgang beeinflussenden Gegenstand bis hin zur radikalsten Form der Abstrakten Fotografie, die sich der Grenze zur „Nicht-mehr-Fotografie“ deutlich annähert: dem Chemigramm.(18) Dieser Aussage folgt Gottfried Jäger, indem er feststellt: „Es ist das Prinzip der Analogie zwischen Ursache und Wirkung des Lichts. Fotos kommen aufgrund gelenkter elektromagnetischer Strahlung zustande, die auf einem strahlungsempfindlichen Material fixiert wird. Diese Aussage trifft sowohl auf einfache Kamerafotografien als auch auf die abstraktesten Lichtkompositionen zu. Beide sind das direkte Ergebnis eines physikalischen Ursache-Wirkung-Wechselspiels, das sie auf ihre jeweils eigene Art und Weise bilden.(19) Und daraus folgt schließlich für Gottfried Jäger, dass die Abstrakte Fotografie eine „Fotografie der Fotografie“ ist: „Der Fotoprozess wird dabei in seine Elemente, Bestandteile und Strukturen zerlegt. ... Nicht mehr das „Was“ oder das „Wer“, sondern das „Wie“ steht im Mittelpunkt des Forschungsthemas,(19) das Gottfried Jäger facettenreich über viele Jahre untersucht und in zahlreichen Ausstellungen und Publikationen zur Diskussion gestellt hat: Künstlerisch von frühen Experimenten im Fotolabor über konzeptuelle Generative Fotostrecken im Labor und später am Computer bis hin zum „Graukeil“ aus Fotopapier als Rauminstallation aus dem Jahre 1983, bei dem kein Abbilden, keine Herstellung von Sichtbarkeit mehr stattfindet: „An die Stelle des bildlich Gezeigten tritt das zeigende Material. Das Fotopapier verdrängt als realer Gegenstand das imaginäre Bildobjekt – und verdrängt damit das Bild aus einem Kunstwerk.(20) Das System und die Geschichte Generativer Fotografie und Ästhetik im Grenzbereich zwischen bildgebender Technik und Bildender Kunst ist Thema dieses Werkbuches über Gottfried Jäger, dokumentiert an Beispielen aus seinem umfassenden OEuvre von 1960 bis 2007, kommentiert von Freunden, Wegbegleitern und Kollegen aus Theorie und Praxis: Der in Berlin lebende und arbeitende Theoretiker, Autor und Fotograf Enno Kaufhold steht mit seiner 2002 gehaltenen Laudatio auf den damals aus dem Hochschuldienst verabschiedeten Professor für Fotografie Gottfried Jäger am Anfang dieses Buches, um zu verdeutlichen, um was es hier geht: Vorgelegt wird eine Publikation zu Ehren eines Hochschullehrers, Fotografen und Künstlers, der als Mitbegründer der Generativen Fotografie und als Mitglied der von Vielen so genannten „Bielefelder Schule der Fotografie“ national und international auf sich aufmerksam gemacht hat – und damit im wahrsten Wortsinne eine Festschrift aus Anlass seines 70. Geburtstages verdient hat. Der Kunsthistoriker und Fotografieszenekenner Rolf H. Krauss aus Stuttgart legt daran anschließend mit seinem umfassenden Beitrag die fotohistorische Basis zum Verständnis der Entwicklung der Generativen Fotografie von den späten 1960er Jahren bis in die Gegenwart.

Ihm gebührt damit das Verdienst, die fotografische Disziplin der Generativen Fotografie erstmals einer nachvollziehbaren historischen Einordnung im internationalen Vergleich unterzogen und darin die Gewichtung des fotografischen Werks Gottfried Jägers vorgenommen zu haben. Herbert W. Franke, der "prominenteste deutsch schreibende Science Fiction-Autor, Physiker, Höhlenforscher, Computerkünstler und Theoretiker – auch innerhalb der Szene der Generativen Fotografen! – aus Puppling bei München, analysiert in seinem Beitrag die Position der Generativen Fotografie an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft und befragt sie mit dem ihm eigenen Pragmatismus nach ihrer künstlerischen Relevanz. Der in Sendenhorst lebende und an der Universität Jena lehrende Philosoph Lambert Wiesing geht in seinem Beitrag dialektisch der Frage nach, was die Gründe dafür sein könnten, Fotografien herzustellen, auf denen man keine Gegenstände erkennen kann – eine fast süffisant anmutende Frage, die Wiesing derart tiefgründig und plausibel beantwortet, dass es einem die Sprache verschlagen kann. Der viel beachtete Publizist Klaus Honnef, Kunsthistoriker, Kurator, Professor em. für Theorie der Fotografie an der Gesamthochschule/Universität Kassel, reflektiert in seinem Beitrag die Vergegenwärtigung des Lichts“ und benennt damit ganz konkret die Grundvoraussetzungen für fotografische Bilder und ihre fantasievolle und innovative Umsetzung durch Gottfried Jäger. Der frühere Kollege Gottfried Jägers an der Fachhochschule Bielefeld, der heute in Berlin und Lansen lebende ehemalige Hochschullehrer, Maler und Fotograf Jörg Boström, erinnert in einer kurzen Bildanalyse an Fotomaterialarbeiten Jägers aus den Jahren 1983 bis 1986 und benennt damit frühzeitig und am konkreten Beispiel die „Generativen Systeme Gottfried Jägers. Die Autorin und Fotografin Marlene Schnelle-Schneyder verweist aus der Perspektive ihrer Forschungen über das „Sehen und Photographieren“ auf die technische Herkunft der fotografischen Arbeiten Gottfried Jägers und ihre Entwicklung zu einer Kunst innovativer Bilderzeugung. Der Kunstvermittler, Kurator, Kritiker, Publizist und Vertragsprofessor für Theorien und Ausdrucksformen des Design an der Freien Universität Bozen, Gerhard Glüher, erörtert in seinem Beitrag „Vom Optischen ins Algorithmische“ den Weg der Generativen zur Konkreten Fotografie, die nichts mehr abbildet, sondern selbstreferenziell, programmatisch und im Sinne Barnet Newmans „erhaben“ ist: „The sublime is now. Auf diese Weise entsteht
ein vielfältiges und zugleich Unruhe stiftendes Kaleidoskop zum Forschungsfeld der generativen Fotografie, das die Frage aufwirft, wie es wohl weitergeht. Gottfried Jäger aber wäre nicht Gottfried Jäger, wenn er nicht selbst die „Zügel in die Hand“ nähme und die Initiative ergriffe: Stellung bezöge! Aus diesem Grund folgt auf die Beiträge von Wegbegleitern und Freunden ein Briefwechsel zwischen Gottfried Jäger und dem in Paris lebenden und arbeitenden Künstlers Hans Jörg Glattfelder von 2006 bis in die Gegenwart, in dem die beiden Fotoenthusiasten den feinen, aber wesentlichen Unterschied zwischen Abstraktion, Konkretion und Konstruktion diskutieren – mit noch offenem Ergebnis, mit jedoch einem deutlichen Vorteil: Gottfried Jäger bezieht aktuell Stellung und beschließt diese Publikation mit einem Statement über seine Auffassung von Generativer und Konkreter Fotografie in Geschichte und Gegenwart: eindeutig in seiner Position, kritisch gegenüber ihrer Entwicklung, erwartungsvoll im Blick auf die Zukunft.

Was will man mehr?
Wir zeigen eine Auswahl der fotografischen Arbeiten Gottfried Jägers: Experimentelle Fotografie (1960–1966), Generative Fotografie (1966–1982), Kamerafotografien (1977–1991), Fotomaterialarbeiten (1983–2005), Digitale Arbeiten (1994–2003) und stellen ein „fotografisches Leben“ vor: seine Vita, seine Werkübersicht, seine künstlerische Praxis und Theoriebildung, das Projektmanagement und die Rezeption eines langen Künstlerlebens, in dem Gottfried Jäger es geschafft hat, neben einer schier unglaublichen Menge an praktischen und theoretischen Arbeiten die Bodenhaftung nicht zu verlieren und „Freunde fürs Leben“ zu gewinnen. Das Buchprojekt und die Ausstellung Gottfried Jäger. Generative Systeme. Fotografische Bilder und Texte, das den Charakter einer fotografisch wie künstlerisch ästhetischen Werksübersicht hat, bestätigt das: Es konnte nur verwirklicht werden, weil Gottfried Jägers Familie, seine Freunde, Kollegen und Wegbegleiter dieses Vorhaben unterstützt haben. Ihnen gilt mein erster Dank. Darüber hinaus danke ich allen an diesem Buch beteiligten Autoren für die Bereitschaft, an diesem Buch mitzuarbeiten und ebenso fachkundige wie freundschaftliche Beiträge für die Veröffentlichung freizugeben. Zu danken haben wir Henrike und Hans Gieselmann für die Aufnahme dieser Festschrift für Gottfried Jäger in den Verlag für Druckgrafik Hans Gieselmann sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Druck und Medienhauses Hans Gieselmann für die wie gewohnt professionelle und atmosphärisch angenehme Mitarbeit an der Herstellung dieser Publikation. Ich bedanke ich mich ganz ausdrücklich bei allen Subskribenten des Buches, die sich für dessen Erwerb entschieden und es gekauft haben, ohne es im Detail zu kennen – siehe dazu den „Dank und Gruß“ im Anhang dieses Buches: Die Subskription hat zur Verwirklichung dieses Buches wesentlich beigetragen! Schließlich danke ich Gottfried Jäger – für sein Vertrauen in meine Arbeit und seine Freundschaft: Seit 1994 ist seine Lichtgrafik aus dem Jahre 1963 zu Helmut Heißenbüttels „Roman“ in unserem Besitz: Er hat sie mir seinerzeit geschenkt. Nicht nur deshalb schulde ich ihm Dank. Er hat mir gezeigt, dass Fotografie eine Kunst ist, die mehr zeigt, als man sieht. Oder, um mit dem deutschen Grafikdesigner, Typografen und Autor Wolfgang Beinert zu sprechen: „Ein Foto, unabhängig von Kultur und Sprache, ist in seiner Bedeutung offen, das Wort ist festgelegt. Anders ausgedrückt: Das Bild ist konkret, und das Wort bleibt abstrakt.

Anmerkungen:

1 Vilèm Flusser, Lob der Oberflächlichkeit – Für eine Phänomenologie der Medien (Schriften, Band I), Bensheim/Düsseldorf: Bollmann Verlag, 1993, Kapitel „Das Abstraktionsspiel.

2 Ausstellung Generative Fotografie mit Arbeiten von Kilian Breier, Hein Gravenhorst, Pierre Cordier und Gottfried Jäger im Städtischen Kunsthaus Bielefeld, dem Vorgänger der Kunsthalle Bielefeld, Januar 1968.

3 Vgl. dazu Ulrike Hermann, Otto Steinert und sein fotografisches Werk: Fotografie im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, Kassel: Univ. Press.

4 Vgl. Karl Pawek, Das optische Zeitalter, Olten/Freiburg: Walter Verlag 1963.

5 Vgl. Andreas Beaugrand (Hg.), Gottfried Jäger. Schnittstelle. Generative Arbeiten Ausstellungskatalog Bielefelder Kunstverein), Bielefeld 1994, S. 8.

6 Vgl. Herbert W. Franke, Kunst und Konstruktion. Physik und Mathematik als fotografisches Experiment, München 1957.

7 Der Aphorismus „Tritt ein, scheu nicht den ernsten Blick, der Dich, empfängt, er lehrt Dich sehen“ auf der Website www.beaugrand-kulturkonzepte.de etwa stammt von der in Saisseval, Frankreich, lebenden Konkreten Poetin Ilse Garnier, die das Diktum im Jahre 2005 eigens für Beaugrand Kulturkonzepte Bielefeld entwickelt hat. Es wird im Herbst 2007 auch an der westlichen Hausseite zu sehen sein.

8 Vgl. dazu allgemein: Ulrich Schmidt (Bearb.), aussicht – absicht – einsicht. 25 Jahre Bielefelder Colloquium Neue Poesie (Audio CD), Bielefeld: Aisthesis Verlag, 2002.

9 Helmut Heißenbüttel, Roman (1961), in: ders., Textbuch 2, Olten/Freiburg: Walter Verlag 1965.

10 Der „Roman“ Heißenbüttels beginnt mit dem Satz „I. Ich bin eine Geschichte“ zu einer vergrößerten
Abbildung des Emaillesprungs von Gottfried Jäger, variiert vielfach die Relation zwischen Individuum,
Kollektiv, Sein und Zeit, und endet – nach einer verwirrend-verworrenen Geschichte aus insgesamt 21
konkretpoetischen Kleinsatzkapiteln, denen fotografische Experimente, konkret: Variationen des
fotografierten Emaillesprungs von Gottfried Jäger zur Seite gestellt sind, – mit dem Satz „XXI. Unumkehrbar
da.“, zu dem Jäger einen vergrößerten, umrissverzerrten, unregelmäßigen schwarzen Punkt, einen Partikel, den Teil des Ganzen liefert: Nicht mehr und nicht weniger.

11 Siehe Vilèm Flusser.

11 Vgl. dazu allgemein Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Vierter Band: 1914-1949,
München: C. H. Beck Verlag 2003.

12 Vgl. Anm. 14.

13 Vgl. u.a. Lambert Wiesing: Phänomene im Bild. München: Wilhelm Fink Verlag 2000; Hubert Burda,
Christa Maar, (Hg.): Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder. 3. Aufl. Köln: DuMont Buchverlag 2005; Frank Büttner, Gabriele Wimböck, (Hg.): Das Bild als Autorität. Die normierende Kraft des Bildes (= Pluralisierung & Autorität 4). Münster: LIT Verlag 2005; Klaus Sachs-Hombach (Hg.), Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung, Köln: Herbert von Halem Verlag 2005; ders. (Hg.), Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2005; Matthias Bruhn, Karsten Borgmann (Hg.), Sichtbarkeit der Geschichte: Beiträge zu einer Historiografie der Bilder, Berlin: Vdg Verlag 2005; Martin Warnke, Bildwirklichkeiten (= Essener kulturwissenschaftliche Vorträge 8). Göttingen: Wallstein Verlag 2005;
Lambert Wiesing: Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes, Frankfurt: Suhrkamp Verlag 2005;
Torsten Hoffmann, Gabriele Rippl (Hg.), Bilder. Ein (neues) Leitmedium?, Göttingen: Wallstein Verlag 2006;
Gerhard Paul (Hg.), Visual History. Ein Studienbuch, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2006.
14 Vgl. URL: http://www.historikertag.de.
15 Vgl. Carsten-Peter Warnckes Vortrag in: Martin Warnke: Bildwirklichkeiten (= Essener
kulturwissenschaftliche Vorträge 8). Göttingen: Wallstein Verlag 2005, S. 486.
16 Wesentliche Grundlagen und plausible Antworten in diesem Sinne gibt Gottfried Jäger bereits Ende der
1980er Jahre, termingerecht zum 20. Geburtstag der Generativen Fotografie: Gottfried Jäger: Bildgebende
Fotografie. Fotografik – Lichtgrafik – Lichtmalerei. Ursprünge, Konzepte und Spezifika einer Kunstform. Köln:
DuMont 1988, s. aber auch Floris M. Neusüss, Das Fotogramm in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die andere
Seite der Bilder. Fotografie ohne Kamera, Köln: DuMont 1990.
17 Alvin Coburn, Die Zukunft der bildmäßigen Fotografie (The future of pictorial photography, 1916), in:
Wolfgang Kemp (Hg.): Theorie der Fotografie, Band II: 1912-1945, München: Schirmer/Mosel 1979, S.
54-58.
18 Lambert Wiesing, Was könnte Abstrakte Fotografie sein? Reflexionen über prinzipielle Denkmöglichkeiten,
Vortrag, gehalten auf dem 21. Bielefelder Symposium über Fotografie und Medien zum Thema „Abstrakte
Fotografie. Die Sichtbarkeit des Bildes“ im Herbst 2000 im Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule
Bielefeld, veröffentlicht in: Gottfried Jäger (Hg.): Die Kunst der Abstrakten Fotografie/The Art of Abstract
Photography. Stuttgart: Arnoldsche Publishers 2002.
19 Gottfried Jäger: Abbildungstreue. Fotografie als Visualisierung: Zwischen Bilderfahrung und Bilderfindung,
in: Andreas Dress, Gottfried Jäger: Visualisierung in Mathematik, Technik und Kunst. Braunschweig/
Wiesbaden: Vieweg Verlagsgesellschaft 1999, S. 137-150, hier S. 145.
20 Ebd., S. 142.
21Vgl. Anm. 9.